China

Im Herbst 2018 reisen wir ins Land der Mitte. In 14 Tagen sehen wir drei der vier größten Städte Chinas, hier leben jeweils 24-32 Millionen Menschen in Hochhaussiedlungen oder alten Stadtvierteln zusammen. Die Häuser in den alten Vierteln verfügen über keine eigenen sanitären Einrichtungen, es gibt in den Straßenzügen öffentliche Toiletten und Duscheinrichtungen, die ich in ordentlich gereinigten Zuständen vorfinde. Doch auch die normalen Wohnungen in den riesigen Wolkenkratzersiedlungen entsprechen nicht unseren Wohnstandards. Alte Siedlungen werden abgerissen und die Menschen nach Zahlung einer Entschädigung umgesiedelt. Grundstückseigentum ist nicht erlaubt, Wohnungen kauft der Chinese für 70 Jahre, danach geht der Besitz zurück  an den sozialistischen Staat.Aktuell herrscht in China ein Männerüberschuss, die Frage nach dem Warum umgeht unser Reiseleiter geschickt. Entsprechend schwer fällt es den chinesischen jungen Männer eine Frau zu finden, die vor Beginn  einer Beziehung den Anspruch haben, dass der Heiratswillige über eine Eigentumswohnung, ein Auto und über ausreichend Geld für ein üppiges Hochzeitsbankett verfügen muss. Auch wenn der Kapitalismus in China wächst und viel Wohlstand vor allem in den Metropolen Shanghais und Pekings vorhanden ist und es entsprechend viele reiche und ultrareiche Chinesen gibt spüre ich doch an jeder Ecke den Sozialismus.

Das öffentliche Verkehrswesen funktioniert ausgezeichnet, wer einen Bahnhof betritt muss eine Sicherheitskontrolle durchlaufen und Zugang zum Bahnsteig gewährt nur ein Ticket. Insgesamt erscheinen trotz der Menschenmassen Zugänge und Wartebereiche weniger chaotisch als wir es gewohnt sind. 

In meiner Beobachtung empfinde ich die Chinesen als freundlich wenn ich eine Dienstleistung in Anspruch nehme, im alltäglichen Kontakt erlebe ich eine Ruppigkeit, die wahrscheinlich der unfassbaren Masse an Menschen geschuldet ist. Ich  lerne sehr schnell mich nicht immer wegdrängeln zu lassen und eigne mir ein genervtes Schnauben an, das sehr häufig ertönt, wenn Dinge nicht schnell genug ausgeführt werden.In "kleineren" Städten werden wir häufig von Kindern mit einem überraschten Hello angesprochen weil wir trotz unserer dunklen Haare sehr exotisch auf sie wirken. Vor meiner besseren Hälfte haben Kindern häufig Angst weil er so groß ist und einige  Chinesen möchten sich mit uns fotografieren lassen. Dieses Verhalten empfinde ich trotz meines Bemühens um Verständnis doch als befremdlich, denn die Medien sind allgegenwärtig und so fremd können wir alles in allem   wirklich nicht wirken. Wir sind ja keine Aliens.

Im alltäglichen Kontext fällt mir auf, dass relativ schlecht bis gar nicht englisch gesprochen wird. Selbst in guten westlichen Hotels spricht das Personal am Empfang wenig bis gar kein Englisch. Das irritiert mich doch sehr. Ich empfinde in der Öffentlichkeit ein starkes Bemühen der öffentlichen Hand den westlichen Touristen die Besuche und Wartezeiten im Vergleich zum Chinesen zu erleichtern. Offensichtlich möchte man die Westler als Touristen nicht verprellen. 

Wir verbringen unsere Tage in der ultra-modernen Finanzmetropole Shanghais und im alten Stadtviertel. Wir fahren mit dem Schnellzug nach Jinghzou wo wir eine viertägige Kreuzfahrt über den drittgrößten Fluss der Welt, den Jangtze antreten.Jeden Tag besuchen wir eine andere Stadt und bekommen die unterschiedlichsten Eindrücke.Wir besuchen die weltberühmte Terracotta-Armee und den Pandazoo bevor es zum Abschluss drei Tage in die Hauptstadt Peking geht. Ich sehe die verbotene Stadt, den Platz des Himmlischen Friedens, den Sommertempel , Einkaufsmeilen und Konsumtempel und alte Stadtviertel.. Besonders beeindruckend ist der Spaziergang (Gewaltmarsch :) ) über die chinesische Mauer. Drei Stunden vor Abfahrt werde ich in Pekings Metro für  zwei bis drei Minuten ohnmächtig und sacke einfach in mich zusammen. Bei einer  Luftfeuchtigkeit von gerade einmal 25 Prozent lerne ich, dass der Körper gerade bei einem Darminfekt Flüssigkeit braucht wenn er nicht kollabieren soll. In Chinas Süden herrscht hohe Luftfeuchtigkeit, je weiter es Richtung Norden geht umso trockener wird die Luft. Die Luftqualität in Peking ist während unseres Aufenthaltes laut Wetterapp gesundheitlich bedenklich und der Smog verdunkelt den Horizont. Ich benutze mein Asthmaspray, denn das Atmen ist ein wenig erschwert. Ich sehe jedoch weit weniger Chinesen mit Atemschutzmaske als ich erwartet hatte.

Mit vielen Eindrücken und Erfahrungen landen wir am frühen Morgen nach einem recht unruhigen Flug in Frankfurt und ich bin mir sicher, dass ich dieses interessante Land  zu weiteren Reisen besuchen werde.

Aus Bequemlichkeit fotografiere ich während dieser Reise überwiegend mit der Handykamera.